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Historie des MCE

Über sechzig Jahre Motorsport in Eberstadt

 

Wie alles anfing 

Anläßlich des Eberstädter Feuerwehrfestes 1951 beschlossen einige Eberstädter Motorradfahrer gemeinsam an dem Festzug teilzunehmen. Die Motorräder wurden mit Girlanden geschmückt und zur einheitlichen Erkennung mit einem Schild am Lenker mit den Buchstaben MC-E versehen.

 Dabei wurde die Idee geboren, sich doch zu einem Club zusammenzuschließen, was dann auch kurz darauf anläßlich der Eberstädter Kirchweih am 10. August 1951 durch die Gründungsmitglieder Ludwig Appel, Herbert Böhmann, Philipp Hartmann, Wilhelm Knieß, Leo Kölsch, Bruno Neth, Rudi Röder, Hans Schneider, Heinz Schneider, Willy Seeh, Arnold Vogelsang, Hans Weith und Willi Zickler geschah.

Zum 1. Vorsitzenden wurde der Berliner Klaus Stapelfeld bestimmt, der jedoch schon 1952 von Willi Klumpp abgelöst wurde. Willi Klumpp bestimmte maßgeblich mit Sportveranstaltungen und Verkehrserziehung das Clubgeschehen und war bis 1972 insgesamt 11mal Vorsitzender. Die Mitglieder wurden im MCE zu vorbildlichen Verkehrsteilnehmern herangeführt. Schnell wuchs die Mitgliederzahl an und es kamen im Laufe der nächsten Jahre mehr und mehr Autofahrer hinzu.

Es wurden neben den wöchentlichen Clubabenden Ziel- Fuchsjagd- und Geländefahrten selbst veranstaltet aber auch bei befreundeten Nachbarclubs gestartet. Die vom MCE 1953 zum ersten Mal und auch in den folgenden Jahren veranstaltete Schwarzwaldfahrt an Pfingsten nach Klosterreichenbach erfreute sich größter Beliebtheit und hatte bis 100 Teilnehmer.

 

Der MCE als Veranstalter

 Im Jahre 1957 veranstaltete der MCE sein erstes Geschicklichkeitsturnier für Motorrad- und Autofahrer auf den Eberstädter Waldsportplätzen. In den Jahren darauf folgten weitere 9 Turniere auf den Waldsportplätzen. Diese Veranstaltung wurde derart gut angenommen mit über 250 Startern in den Jahren 1962 und 1963 und wurde damit die erfolgreichste Serienveranstaltung des Vereines.

Die erfolgreichsten Motorsportler waren in dieser Zeit Heinrich Mütz in der Motorroller-Klasse und Edi Zirm und Walter Schwarz in der PKW-Klasse.

1963 trat der MCE als Korporativmitglied dem Dachverband Automobilclub von Deutschland ( AvD) bei, damit die Belange der Motorsportler bundesweit unterstützt und vertreten wurden. Die Beliebtheit der Geschicklichkeitsturniere wurde vom AvD in eine bundesweite, streng reglementierte Turnierserie mit Läufen in ca. 40 Städten, der AvD-Gymkhana, umgesetzt.

Der MCE beteiligte sich sogleich an der Serie und richtete von 1967 an bis heute 37mal auf dem TÜV-Gelände in Darmstadt das PKW-Geschicklichkeitsturnier aus. Bedingt durch Engagement, gute Organisation vom MCE und dem idealen Platz wurde der MCE vom AvD in den Jahren 1984 und 1987 beauftragt, den Endlauf dieser bundesweiten Turnierserie durchzuführen, um den besten Autofahrer Deutschlands zu ermitteln.

Ab 1965 wurde die Rhein-Main-Nachtfahrt ( eine Orientierungsfahrt für PKW ), später Zwei-Flüsse-Fahrt genannt, mit bis zu 100 Teilnehmern veranstaltet. Ab 1970 kam eine Slalom-Veranstaltung hinzu. Diese Veranstaltungen waren Basis für die Herbst-Nacht Orientierungsfahrt 1979, die Clubrallye „650 Jahre der Stadt Darmstadt“ 1980, sowie die ab 1981 bis 1984 zusammen mit dem MSC Zwingenberg veranstaltete AvD-Südhessen-Rallye, die 1984 sogar ein Lauf des Deutschen ONS-Rallye-Pokals, war.

Viele Bildersuch- und weitere Orientierungsfahrten sowie häufige Kart-Einsätze ergänzten die sportlichen Aktivitäten des MCE. Faschingsbälle und Nikolausbälle mit den Ehrungen langjähriger Mitglieder und der Clubmeister und viele weitere gesellige Veranstaltungen halfen, die Gemeinschaft im Verein zu stärken.Der lang gehegte Wunsch des Vereines nach einem eigenen Übungsgelände mit Verkehrsübungsplatz und Clubhaus wurde bei den Stadtoberen zwar häufig diskutiert aber leider nie beschlossen.

 

Erfolge im Rallyesport

 Durch die Geschicklichkeitsturniere, Fahrsicherheitskurse, Fahrer- und Beifahrerlehrgänge wurden die jungen Sportfahrer schnell zu höheren Aufgaben herangebildet. So wurde der MCE erst regional und dann bundesweit bekannt in den Jahren 1969 bis 1974 durch das Rallyeteam Heinz Jakubek / Hildo Grabmann, die neben vielen Gesamt- und Klassensiegen und weiteren guten Plazierungen 1971 den 4. Platz im ONS-Rallyepokal für Ausweisfahrer belegten.

Bedingt durch die effiziente Nachwuchsförderung des damaligen Sportleiters Hildo Grabmann versammelte sich ab 1979 eine Garde von „Jungen Wilden“ im MCE, deren Tatendrang durch die Teilnahme an genehmigungspflichtigen Club-Rallyes in geregelte Bahnen gelenkt wurde. Bis zu 15 MCE-Teams waren bei Rallyes in der näheren Umgebung am Start und holten viele Gesamt- und Klassensiege. In der Blütezeit 1981 bis 1983 wurde der MCE dreimal hintereinander Mannschaftssieger im Odenwaldpokal.

Herausragend war das Toyota-Rallyeteam Gerhard Satorius/Christoph Schömer, das über Jahre hinweg die regionale und überregionale Rallyeszene beherrschte. Mehrfach haben sie den Odenwaldpokal und Nordbaden-Cup gewonnen und wurden dreimal ADAC-Pfalz-Meister. Der Eberstädter Christoph Schömer konnte ab 1985 als Beifahrer in Werkswagen von Opel, Ford und Mitsubishi dann auch bei Internationalen Rallyeläufen vordere Plazierungen erringen. Höhepunkte waren 1987 der Gewinn der Deutschen Rallye-Meisterschaft (Gruppe N) sowie ein 3. Platz (Gr. N) beim britischen WM-Lauf, der renommierten RAC-Rallye 1989

Bedingt durch behördliche Genehmigungsschwierigkeiten und aufwendige Reglementierung ist der Rallyesport viele Jahre auf wenige Veranstaltungen ziemlich eingegrenzt worden, sodass der MCE eine Zeit lang keine Rallyeveranstaltungen mehr durchführt hat.

Einen hohen Stellenwert hatte beim MCE immer der Orientierungssport, der bis Mitte der Achtziger Jahre mit dem Rallyesport eng verknüpft war. Die Orientierungsetappen der Südhessen-Rallye galten als legendär. Auch im neuen Jahrtausend war der MCE als Veranstalter aktiv. Die MCE-Frankenstein-Ori galt unter den Top-Beifahrern als eine Orientierungsfahrt, in der harte Nüsse zu knacken waren.

 

 Der MCE in der heutigen Zeit

Der MCE leidet, wie heute viele Vereine, am Nachwuchs und dem Überangebot im Freizeit- und Hobbybereich. Dennoch wird in den letzten Jahren der Verein vorwiegend durch einen harten Kern von langjährigen Mitgliedern zusammengehalten.

Die große Erfahrung vieler MCE-Mitglieder sowie deren Professionalität wird auch gerne von Nachbarclubs bei der Durchführung von Oldtimer-Rallies und Orientierungsfahrten angenommen (z.B. Durchführung von Sonderprüfungen incl. Aufbau, eigenverantwortliche Ausarbeitung von Orientierungsfahrten incl. Bordbucherstellung und Auswertung). So haben wir bei der RTCE Nibelungenfahrt in den letzten Jahren immer mindestens eine Gleichmäßigkeitsprüfung durchgeführt und oft auch bei der Auswertung mitgewirkt..

Seit 2008 findet nach langer Pause im Landkreis Bergstraße die Nibelungenring-Rallye statt. Der MCE fungierte dabei zunächst als Helfer bei der Zeitnahme und ist mittlerweile als Mitveranstalter eingebunden mit der Hauptverantwortung im Bereich der Zeitnahme und der Auswertung.

Die motorsportlichen Aktivitäten der Mitglieder sind gegenüber den Achtziger Jahren überschaubarer geworden. Aber ein aktiver Beifahrer und ein Fahrer halten die Fahnen des Clubs nach wie vor hoch. Unser langjähriges Mitglied Jürgen Krieg hatte als Beifahrer in den Jahren 2015 und 2016 jeweils mehr 10 Starts bei nationalen Rallies (R35 und R70), im Jahr 2017 sogar 23 Starts und ist nach wie vor sehr aktiv.

Und unser jüngstes Mitglied Björn Satorius ist als Fahrer ausgesprochen erfolgreich im Rallyesport unterwegs. 2012 war er lange Zeit Führender im ADAC-Junior-Cup, belegte am Ende der Saison Platz 3 und holte den ADAC-Masters-Titel seiner Division. Dazu gewann er den Titel der ADAC-Meisterschaft Hessen-Thüringen. In den Jahren 2013 und 2014 war er mit guten WP-Zeiten im ADAC-Opel-Rallye-Cup aktiv. Und im Jahr 2016 feierte er seinen bislang größten Erfolg mit Platz 3 in der European Rally Trophy und der Aufnahme in die Liste der DMSB-TOP 25-Rallyefahrer. Im Jahr 2017 wurde das Saisonziel, der Gewinn des DMSB-Rallye-Cup, in bravouröser Weise mit zwei Gesamtsiegen und weiteren 4 Podiumsplatzierungen erreicht. Inzwischen ist er ein regelmäßiger Starter in der Deutschen Rallyemeisterschaft und fast ebenso regelmäßig unter den Top-Ten platziert.

 

 

Wie infiziert man sich mit dem Rallye-Virus ?

Ein MCE-Mitglied erzählt seine ganz persönliche Story, wie er zum Motorsport kam.

 

Der Rallyesport ist seit Gründung des MCE das Hauptbetätigungsfeld seiner Aktiven. Da mag es für den Außenstehenden vielleicht einmal von Interesse sein, wie man den Zugang zu diesem Sport bekommt, der ja nun verständlicherweise nicht auf dem Programm des Schulsports gestanden hatte. Unser langjähriger Sportleiter hat in einem renommierten Rallye-Forum einen Beitrag zur Hunsrück-Rallye 1977 verfasst, welche Rolle genau diese Rallye in seinem Leben gespielt hatte und wie er dort vom Rallye-Virus infiziert worden ist.:

 

   „Es fing sogar schon im Jahr 1976 an. Ich war damals Student an der TH Darmstadt und einer aus unserer Clique kam aus Idar-Oberstein. Durch genügend Übung über einige Semester hinweg ist es uns gelungen, seine zunächst unverständliche Sprache verstehen zu lernen. Und eines der wichtigsten Worte aus seiner Heimat hieß „Spießbroode“. Deshalb haben wir gerne seine Einladung angenommen, ihn an einem Wochenende im Mai zu Hause im Hunsrück zu besuchen. Der Spießbraten und das Kirner Pils standen eindeutig im Vordergrund unseres Besuchs, aber für den Samstagnachmittag kam der Vorschlag. Es läuft hier gerade die Hunsrück-Rallye und auf Wäschertskaulen kann man dort zuschauen. Zur Erläuterung: Das war ein Zuschauer-Rundkurs oberhalb von Idar, allerdings nicht ein modifizierter Slalom wie in den letzten Jahren bei der Rallye Deutschland, sondern ein Kurs auf schönstem Schotter mit echter Rallye-Atmosphäre. Wir also dorthin, Eintritt bezahlt und festgestellt, dass diese Form Motorsport eigentlich viel mehr Spaß macht als die DTM in Finthen oder die Formel 1 in Hockenheim, die ja damals für Zuschauer noch bezahlbar war.

 Ari Vatanen war der Hauptgrund zum Besuch der Hunsrück-Rallye 1977Ari Vatanen war der Hauptgrund zum Besuch der Hunsrück-Rallye 1977  Aber in den Medien führte der Rallyesport ein ziemliches Schattendasein und dass man dort extra zum Zuschauen hinfährt, war absolut unüblich. Doch das Interesse war zumindest einmal geweckt. Ich kaufte ab dann auch regelmäßig die ‚Rallye Racing‘, in der zu lesen war, dass ein Walter Röhrl das Zeug zum Weltklassefahrer gehabt hätte, wenn er nicht gerade in einem total unzuverlässigen Opel Kadett dauernd ausfallen würde. Und in einer ‚Rallye Racing‘ im Jahr 1977 war ein faszinierender Artikel über einen verrückten Finnen, der beim WM-Lauf in Neuseeland x-mal abgeflogen war, es aber trotzdem geschafft hatte, seinen fast schrottreifen Escort auf Platz 2 zu fahren. Sein Name Ari Vatanen.

   Da der Prozentsatz weiblicher Studenten an einer Technischen Uni erfahrungsgemäß sehr überschaubar war, orientierten wir uns in unserer Freizeit mehr nach Mainz, wo das Verhältnis ein wesentlich ausgeglicheneres war. Eines der Mädels, die wir dort kennen gelernt hatten, feierte an einem Donnerstagabend Geburtstag. Da man nicht riskieren wollte, bei der Heimfahrt nach der Feier den Führerschein zu gefährden, wurde neben dem Geburtstagsgeschenk auch gleich noch Luftmatratze und Schlafsack in den Kofferraum gepackt.

   Nach durchfeierter Nacht war man am Freitagfrüh wieder zeitig wach. Es standen ja noch wichtige Vorlesungen an der Uni auf dem Stundenplan. Doch beim Frühstück fiel mir zufällig die örtliche Zeitung in die Hände. Und dort war zu lesen, dass im Laufe des heutigen Tages im Raum Idar-Oberstein die Hunsrück-Rallye gestartet würde, und dass neben solch bekannten Fahrern wie Stig Blomqvist, Tony Pond oder Lars Carlsson eben auch Walter Röhrl und der besagte Ari Vatanen am Start sind. In diesem Moment wurde von mir ganz flexibel die Entscheidung getroffen, die wichtigen Vorlesungen heute mal ausfallen zu lassen und statt dessen lieber alleine Richtung Idar-Oberstein zu fahren.

   Ohne Ahnung, wo und wann dort was abläuft, steuerte ich zunächst mal den Parkplatz am Merian-Hotel in Idar an. Denn ich wusste noch von unserem zufälligen Besuch im Vorjahr, dass dort die Rallyeautos nach der Veranstaltung abgestellt waren. Und welch großes Glück. Dort fand ich ein Hinweisschild, dass in besagtem Hotel das Pressezentrum der Rallye war. Ohne Presseausweis half mir das erst einmal nicht weiter. Und die später so legendären Pfadfindermappen gab es damals noch nicht. Aber ich kam ins Gespräch mit einer netten Dame, die dort Dienst tat. Später erfuhr ich auch ihren Namen. Es war Waltraud D., später unter ihrem Ehenamen besser bekannt als Opel- und Citroen-Werksfahrerin und als langjährige Rallyesekretärin der Deutschland-Rallye. Während unserer netten Unterhaltung war Waltraud kurzfristig durch ein Telefongespräch abgelenkt und ich nutzte schnell die Gelegenheit -inzwischen ist die Sache ja glücklicherweise verjährt- einen Satz Presse-Unterlagen zu stibitzen.

   Jetzt hatte ich schon ein paar Informationen mehr. Allerdings waren darin auch keine WP-Pläne drin, sondern neben der Starterliste nur ein paar ausgewählte Zuschauerpunkte. Die Rallye war ja damals noch komplett untrainierbar und es wurde ohne Aufschrieb auf Sicht gefahren. Insofern war die Geheimhaltung sehr konsequent durchgezogen. Ich wusste aber zumindest, wo und wann es in der nächsten Stunde etwas zu schauen gab. Ich machte mich also auf den Weg zur Reichenbacher Brücke.

   Das Presseschild samt der dazugehörigen Unterlagen hat sich als sehr hilfreich erwiesen.Das Presseschild samt der dazugehörigen Unterlagen hat sich als sehr hilfreich erwiesen.Kaum dort angekommen, staubte der Porsche von Röhrl und danach all die anderen Asse den Schotterweg von der Brücke Richtung Maiwald herunter. Sprachlos und ergriffen verfolgte ich das Spektakel. Entlang der Stecke standen einige Zuschauer, aber lange nicht so viele wie einige Jahre später als detaillierte Infos für Zuschauer in Mode kamen. Neben mir war eine Gruppe, die offensichtlich auf ein ganz spezielles Team wartete. Nachdem wir ins Gespräch gekommen waren, erfuhr ich, dass sich in der Gruppe die Freundin von Hanno Menne befand. Dieser ehemalige Deutsche Rallyemeister war damals Beifahrer im Opel-Werks-Team. Mit bei der Gruppe war auch Tino S., der zusammen mit Hanno einige Jahre zuvor Gründungsmitglied eines sehr aktiven Aachener Motorsportclubs war. Gemeinsam diskutierten wir, was wir nach der Maiwald-Prüfung machen sollten. Sowohl meine Presseunterlagen als auch deren Infos vom Opel-Service waren sehr spärlich, was den Rest des Tages betraf. Tino erzählte, dass er schon öfters als Beifahrer unterwegs war und dass er sich recht gut auf Baumholder auskennt. Er schlug vor, dort auf gut Glück einen schönen Platz als nächsten Zuschauerpunkt zu suchen. Ich sollte einfach hinter ihnen her fahren. Sehr trickreich haben wir dann einen nicht durch eine Schranke versperrten Weg auf den Übungsplatz gefunden und ich staunte nicht schlecht, als meine neu gewonnenen Aachener Freunde plötzlich über eine schon ausgepfeilte WP-Strecke fuhren. Was blieb mir übrig als zu versuchen hinten dran zu bleiben. Und immer mit der Angst im Nacken, dass Walter Röhrl plötzlich von hinten angeschossen kommt. Nach mir endlos erscheinenden Kilometern parkten die Aachener ihr Auto gut getarnt im Wald und ich sehr erleichtert dahinter. Nicht weit davon entfernt war eine wunderschöne Ecke zum Zuschauen: Ganz lang gezogene Links auf breitem Beton in Abzweig Rechts auf Schotter.

   Die dort postierten Streckenposten waren etwas verwundert, wo wir herkämen und sprachen uns auch gleich auf zwei Pkws an, die sich auf der Strecke befinden sollten. Wir erklärten Ihnen, dass wir die beiden Autos gesehen hätten, wie sie die Strecke verlassen hätten und Richtung Idar-Oberstein abgebogen wären. Diese Info wurde über Funk weitergegeben und hatte die Situation wohl für alle Beteiligten ziemlich entspannt. Auf die Frage, wann denn die WP gestartet würde, konnten die Streckenposten keine Auskunft geben. So saßen wir eine ganze Zeitlang im Gras. Um uns rum brummte es aus allen Richtungen. Nur bei uns kam erstmal kein Rallyeauto vorbei. Trotzdem wurde es mir nie langweilig, weil ich voller Neugier den Erzählungen der neu gewonnenen Rallye-Freunde lauschte. Mir wurde in diesen Stunden Wartezeit deutlich, dass dieser Sport nicht nur ganz besonders spektakulär ist, sondern dass auch die Menschen in diesem Sport ganz besonders sein müssen.

   Endlich ging es dann auch bei uns rund. Walter Röhrl war leider schon ausgefallen, weil der Team-Manager von Achim Warmbold ihm ins Auto gefahren war und den Ölkühler zerstört hatte. Trotzdem waren noch genug Autos im Feld, die an dieser spektakulären Ecke ein tolle Show geboten hatten. Das war aber alles nichts gegen das, was Ari Vatanen dort gezeigt hatte. Wesentlich später bremsend als alle anderen fuhr er die lange Links in einem einzigen Drift so exakt durch, dass er fast ohne Geschwindigkeitsverlust im Gegenschwung die enge Rechts in Schotter nehmen konnte. So etwas Artistisches habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ich war total fasziniert von dieser Fahrzeugbeherrschung.

   Aufgrund der langen Wartezeit war es schon ziemlich spät geworden, dass es zeitlich nicht mehr für die abschließende Zuschauer-WP auf Wäschertskaulen gereicht hatte. Ich folgte meinen erfahrenen Rallyefreunden bis wir wieder außerhalb des Übungsplatzes waren, bedankte mich für die Lotsendienste und verabschiedete mich. Nach einem oder zwei Bier und einer Kleinigkeit zu essen musste ich mir ja noch ein Nachtquartier suchen. Ein Hotel konnte ich mir als Student nicht leisten, aber ich hatte ja glücklicherweise vom Abend zuvor noch Luftmatratze und Schlafsack im Auto. So suchte ich mir also ein schönes Plätzchen am Waldrand, platzierte die Luftmatratze so gut es ging im erweiterten Kofferraum meines Polo und verbrachte dort eine ziemlich kurze Nacht. 

 Ehrenpreis aus Idar-Obersteiner Edelsteinen für den Dritten Gesamtrang bei der Hunsrück-Rallye 1987Ehrenpreis aus Idar-Obersteiner Edelsteinen für den Dritten Gesamtrang bei der Hunsrück-Rallye 1987  Denn die Rallye ging ja am Samstag sehr zeitig wieder weiter und meinen Presseunterlagen war zu entnehmen, dass die erste WP auf Baumholder ein Rundkurs über 99 Kilometer war mit dem schönen Namen „Morgengruß“. Als Zuschauerpunkt wurde eine Stelle auf dem Übungsplatz empfohlen, die ich dank meines Presseschilds offiziell anfahren durfte. Diese Stelle ist inzwischen wohl jedem Rallyefan bekannt, die legendäre Panzerplatte. Das Ganze aber nicht mit Tausenden von Zuschauern, sondern mit noch nicht einmal hundert Beobachtern. Aber ich glaube für jeden, der zum ersten Mal dorthin kommt, hat dieser Zuschauerpunkt erst mal einen „Wow“-Effekt. Man wusste gar nicht, wo man überall hinschauen sollte, zumal die Prüfung noch einen hohen Schotteranteil hatte, was leider beim heutigen WM-Lauf nicht mehr der Fall ist.

   Ich traf dort auch wieder meine Aachener Freunde vom Vortag. Sie erzählten mir, dass sie inzwischen einen Platz im Auto frei hätten und ob ich nicht mitfahren wollte. Gerne nahm ich das Angebot an. Wir hatten für den zweiten Tag etwas aussagekräftigere Infos, wo und wann es etwas zu sehen gab. Unter anderem auch diverse WPs außerhalb des Truppenübungsplatzes. Ich war total fasziniert, mit welcher Sicherheit der erfahrene Beifahrer Tino aus der Karte lesen konnte und mit welcher Präzision er den Fahrer immer auf die richtigen Wege lotste. Teilweise hatte er aus der Karte Kurvenradien und Abstände herausgelesen, die er seinem Fahrer ähnlich wie einen Aufschrieb vorgebetet hatte. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt niemals gedacht, dass ich Jahre später genau diese Fertigkeit auf der damals noch untrainierbaren RAC-Rallye auch erfolgreich würde anwenden können. So verbrachten wir gemeinsam einen begeisternden Rallye-Samstag, an dem wir wesentlich mehr Rallye-Action zu sehen bekommen haben als am Tag zuvor.

   Voller Eindrücke kam ich an diesem Abend zu Hause an und ich war felsenfest davon überzeugt, dass dies ein Sport ist, mit dem ich mich unbedingt in Zukunft intensiver beschäftigen möchte. Mein noch im gleichen Jahr an einem Fels im Odenwald zerschellter Polo machte mir allerdings überdeutlich klar, dass ich als Fahrer wohl doch nicht über ausreichendes Talent verfüge. Aber im folgenden Jahr holte ich als Beifahrer bei einer vom MCE organisierten Orientierungsfahrt meinen ersten Pokal, was mich dann auch 1979 dazu brachte, Mitglied im MCE zu werden. Darauf folgten diverse sehr erfolgreiche Jahre im Clubsport mit Gerhard Satorius, bis ich es dann irgendwann geschafft hatte, auf dem heißen Sitz eines Werksautos zu landen.

   Und ich hätte es am Abend meiner ersten so intensiv erlebten Hunsrück-Rallye nicht zu träumen gewagt, dass ich mich bei der gleichen Rallye genau zehn Jahre später als Drittplatzierter der Gesamtwertung auf dem Siegertreppchen wiederfinden würde."

CS

 

 

 

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